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Prominente Dirigenten lobten seine Fertigkeit

"Meister des Taktstocks"
schlug die letzte Stunde
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Augsburg(lby)   - Er war Zeit seines
Lebens nur einem Kreis Eingeweih-
ter bekannt, obwohl er unbestritten
ein  "Meister des Taktstocks"  war.

Karl Seidel,  über zwei Jahrzente  Or-
chesterwart im Augsburger Philhar-
monischen  Orchester,    besaß  eine
seltene Kunstfertigkeit, die berühmte
Dirigenten  Kontakt  zu  ihm aufneh-
men ließ.

Seidel,  der  jetzt  mit  75 Jahren starb
und  gestern  auf  dem  Augsburger
Nordfriedhof  beerdigt  wurde,   war
vermutlich  weltweit der einzige  Her-
steller  von  Hand  gefertigten   Takt-
stöcke. Pultstars wie Rafael Kubelik
und  Carlos  Kleiber  waren  Kunden
bei ihm. Ob an der New Yorker  Met
oder bei den Wagner-Festspielen in
Bayreuth,  Seidels  maßgeschneider-
ter Dirigentenstab war dabei.

Worin  sein   handwerklich   schwer
zu   fassendes   Geheimnis   lag,   be-
schrieb Seidel einmal in einem  Inter-
view:  "Der Schwerpunkt muß an der
richtigen Stelle  sitzen,  der Stock die
richtige Spannung haben, und unter
keinen Umständen darf er wegen der sonst   ungenauen   Zeichengebung
nachfedern.  Es kann  sich  um  Milli-
meter   handeln.  Das  ist  reine  Ge-
fühlssache."
Selbst  ein  gelernter  Musiker,  auf
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dem Staatskonservatorium in Würz-
bug am Fagott ausgebildet,  besaß
Seidel offenbar das nötige Einfüh-
lungsvermögen. Für Wagner-Opern
fertigte er kräftige bis zu 53 Zenti-
meter lange Taktstöcke, während sie
etwa für Mozarts "Kleine Nachtmu-
sik" leichter und kürzer ausfielen
Seidels besonderes Geschick begann
sich Mitte der sechziger Jahre her-
umzusprechen.


Der Ungar Gabor Otvös, an vielen
Opernhäusern der Welt zu Hause, ist
fest überzeugt, nur der Dirigenten-
stab Seidels habe ihn vor einer Ope-
ration seines entzündeten "Dirigen-
tenarms"gerettet. Besuchern, die in
seine kleine Werkstatt mit Laden ka-
men, die er nach seiner Pensionie-
rung weiter betrieb, zeigte Seidel
stolz die aus aller Welt bei ihm ein-
gegangenen Dankesschreiben und
Bestellungen.


"Unser Schlag liegt in ihrer Hand",
schrieb Majestro Carlos Kleiber und
bestellte - Kenner der Seidelschen
Kollektion - Nachschub vom "Typ 3
und 4" mit und ohne Griff. Da dieser
jetzt ausbleibt, dürfte es im Interesse
seiner Kundschaft liegen, beim stür-
mischen Umgang mit dem Taktstock
Bruchholz künftig zu vermeiden.
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Artikel aus der Augsburger Allgemenen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Taktstocke aus
Musiker-Hand


Zum Tod von Karl Seidel

 

 


Er  war  Musiker  aus  Passion  und  im  Augs-
burger  Philharmonischen  Orchester  ein  Or-
chesterwart  mit profunden  Kenntnissen und
großer  Zuverlässigkeit.  Bekannt  aber  wurde
Karl  Seidel  -  nicht  in  der  breiten  Öffentlich-
keit,  wohl  indes  in  internationalen  Drigen-
tenkreisen  -   mit  seinen  Taktstöcken, die  er,
gleichsam nach Maß,  in präziser Milligramm-
Arbeit  anfertigte.  Jetzt  ist  Seidel,  der  immer
bescheiden  und  still  im  Hintergrund gewirkt
hat,  wenige  Wochen  vor  Vollendung seines
76. Lebensjahres gestorben.
 Für  das  Herstellen  von  Taktstöcken  be-
saß  Seidel  den  siebten  Sinn,  wie  folgende
Episode  aus  dem  Jahr  1975  veranschaulicht:
In  der   Augsburger   Kongreßhalle  gastierte
das  Cleveland Orchestra  unter  Lorin  Maazel,
der  schon  von  Seidels  Taktstöcken  gehört
und ihn deshalb um die  Vorlage einer  Kollek-
tion  gebeten  hatte.  Seidel  brachte  kurz  vor
dem   Konzert  vier   Taktstöcke   zur  Auswahl
ins   Dirigentenzimmer.    Maazel   nahm   einen
in  die  Hand,  stellte  kurz  und  bündig  fest:
"paßt",  und dirigierte  damit das  Augsburger
Konzert. Fazit dieses Abends:  Maazel bestell-
te bei Seidel gleich  zwolf  weitere  Taktstöcke.
Zu den Kunden von Karl Seidel zählten
Rafael Kubelik,   Silvio Varviso,   Jesus Lopez
Cobos und Nikolaus Aeschbacher, um nur ein-
nige zu nennen.  Und vor Jahren schrieb Car-
los Kleiber an Seidel:   "Große Taktstock-Not,
also  vielleicht könnten wir ins Geschäft  kom-
men."   Da Kleiber schon die Seidelsche Aus-
wahl kannte, bat er gleich um  "Typ  3  und  4
und welche ohne Griff".   Nun bleibt auch die-
sem  Dirigenten nach  Karl Seidels  Tod nichts
anderes übrig, als die von ihm maßgefertigten
Taktstöcke schonend und pfleglich zu  behan-
deln,  damit  sie  noch möglichst  lange  halten.
                                             Walter Scheidler

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




























 

Aus der Augsburger Allgemeinen 29.08.1989