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Der einzige deutsche Spezia-
list für Taktstöcke in seiner
Augsburger Werkstatt: Karl
Seidel, 70, beliefert hundert
Dirigenten mit hundert ver-
schiedenen Taktstöcken. Sie
schwören auf ihr Handwerks-
zeug, wenn es die Stempel-
signatur eines handgefertig-
ten Originals trägt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Taktstock passierte und sich
der gelieferte Ersatz als völlig
unbrauchbar erwies, da schlug
Seidels große Stunde. In einer
Aufwallung von Hilfsbereit-
schaft und beruflichem Ehr-
geiz bot der passionierte Bast-
ler Zanotelli an, ihm einen
neuen Taktstock zu besorgen,
handgearbeitet und nicht von
der Maschine. So geschah`s,
und das Ergebnis riß den
Maestro zu der Feststellung
hin: "Sie brauchen keinen
Orchesterwart mehr zu ma-
chen, nur noch Taktstöcke."

Seidel machte zwar weiterhin
beides, doch es war der Be-
ginn eines Hobbys, dem er
verhaftet geblieben ist, "Scha-
de, daß ich nicht früher ange-
fangen habe", gesteht er
heute, "aber es geht mit 70
noch genauso wie früher.
Wenn ich über meinen Takt-
stöcken bin, fühle ich mich
einfach wohl. So muß es
sein." Freilich, manchmal sei

er mit Aufträgen sehr unter
Druck, räumt er ein, und oft
müsse es auch ganz schnell
gehen. Der Kundenkreis sei
eben schon mit etwa hundert
Dirigenten aus vielen Län-
dern doch sehr groß, und neue
kämen immer wieder hinzu.
Charles Davis aus der Schweiz zum Beispiel, der habe kürz-
lich 17 neue Taktstöcke be-
stellt, am Freitag, und Montag
wollte er sie schon haben. Er
bekam sie, und er fand sie so
ausgezeichnet, daß er gleich
nochmal so viele in Auftrag
gab. "Dafür ließ er mir  aber et-
was mehr Zeit."

An Referenzen mangelt es
nicht. "Bitte höflichst um eine
Sendung von 6 ausgezeich-
neten Taktstöcken a la Seidel-
Kleiber", schreibt zum Beispiel
der bekannte Münchner Diri-
gent Carlos Kleiber; mit ihm
zusammen hat Seidel eine
besondere Grifform entwik-
kelt, die inzwischen "typprä-
gend" geworden ist. Oder da
ist Niklas Aeschbacher, der die
Erzeugnisse aus Augsburg
"wunderbar" findet wie schon
vor Jahren Hans Zender vom
Saarländischen Rundfunk:
"...sie sind von einer Perfek-
tion, Leichtigkeit und Raffi-
nesse, die ich noch nie erlebt
habe."

Eine solche positive Bewer-
tung eines Arbeitsmittels wird
um so verständlicher, als Diri-
gieren ja auch Muskelarbeit
bedeutet; technische Ästhe-
tik, wenn man so will. Da sind
Ausformung, Gewicht und
Spannung eines machtvoll
geführten Taktstocks schon
von einiger Bedeutung. Früher
war das einmal anders. Da
wurde der Takt durch Auf- und
Niederschlagen der Hand ge-
führt, man schlug ihn mit einer
Stange auf den Boden oder
stampfte ihn - ganz früh - mit
dem Fuß. Später verwendete
man dann eine Rolle aus Leder

 

Dirigieren bedeutet für mich
interpretieren. Auch ver-
mitteln! Der Idee des Kom-
ponisten, um sie dem Or-
chester und dem Publikum
näherzubringen. Dem Werk
dienen, mit der bestmög-
lichen Interpretation, mit al-
lem meinem Können und
Talent. Das ist für mich diri-
gieren.

Georg Solti


Das Ditigieren ist nur ein
Hilfsmittel, ein Selbst-
zweck. Musizieren ist alles,
und je unauffälliger dabei
dirigiert wird,desto schöner
wird die Musik gestaltet
sein und so unsere Sinne
berühren.

Joseph Keilberth