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s4.jpg Im Herstellungsprozeß eines
Taktstockes nach dem Zu-
schneiden von Vierkantstäben
und dem konischen Zuhobeln
als dritter Arbeitsgang: der
Rohschliff auf der Band-
schleifmaschine; bereits hier
kommt es auf das Gefühl für
Ausgewogenheit an.






Die nächste Stufe: das Fein-
schleifen des Taktstockes mit
Hilfe einer kleinen Vorrich-
tung; hier kommt es auf
Formverlauf und Glätte an.
Eine Halterung an der Spitze
sichert den Perfekten Rund-
lauf auf der Drehbank.






Ist der Stab fertig, so wird er
in einem vorgebohrten, über
einer individuellen Lehre vor-
profilierten Griff aus Kork ver-
leimt; die eine oder andere
heikle Grifform schleift Karl
Seidel erst ganz zum Schluß
an.
ausgeknobelten Spezialbe-
handlung ("Mein Geheimver-
fahren"), um das Holz starr zu
machen, wie er sagt, ihm die
nötige Spannung zu geben; so
ein Taktstock darf nämlich im
Einsatz nicht nachfedern. Die
Vierkantstäbe werden dann
auf der Werkbank mit dem
Putzhobel konisch zugehobelt
und anschließend auf einer
kleinen Bandschleifmaschine
freihändig zugeschliffen. Es
folgt das Aufleimen des vor-
gebohrten Natur- oder Preß-
korkens mit einem Hartkleber,
was bei zylindrischen Griffen
einen zusatzlichen Prozeß-
vorgang erfordert. Dann
kommt der Rohstab auf die
"Drehbank" in Form einer
umfunktionierten Handbohr-
maschine. Damit der Stock
hier nicht "schlägt", wird er
zumindest am Ende zusatzlich
in einer Vorrichtung geführt.
Hier schleift nun der Fach-
mann mit leichter Hand die
endgültige Konizität an und
"drechselt" auch über selbst-
gefertigte kleine Lehren mit
Hilfe von Raspel, Feile und
Schleifpapier das gewünschte
Korkenprofil; so um die 50
verschiedenen hat er im Re-
pertoire.

oder Notenblättern; zur Zeit
Haydns gab der Vorgeiger die
Tempi an und führte mit dem
Bogen Taktbewegungen aus,
bis dann Carl Maria von Weber
1813 in Dresten den Takt-
stock nach heutigem Zu-
schnitt einführte. Der Mar-
schallstab des berühmten und
eigenwilligen Dirigenten
Gasparo Spontini im Berlin der
20er 30er Jahre des vori-
gen Jahrhunderts war noch
aus massivem Ebenholz ge-
arbeitet mit Spitze und Griff
aus Elfenbein; weniger be-
deutsame zeigten sich als
dickerer Stab aus Weißbuche
oder Buchsbaum.

Heute liebt man es graziöser.
Deshalb sind Taktstöcke aus
etwas leichterem Stoff: aus
Ahornholz." Ich habe Versuch-
che mit anderen Hellen Höl-
zern gemacht", erläutert Sei-
del, "aber ohne Erfolg." Linde
und Fichte habe er genom-
men, auch mal Weißbuche,
aber er sei doch immer wieder
zu Ahorn zuruckgekehrt, weil
dieses Holz eine besonders
gute, das heißt glatte Ober-
flache ermöglicht. Und weil er
es schon von Kindheit an ge-
mocht hat - zum Schnitzen
von Schachfiguren. "Es ist so
schon weiß."


Ahorn -
hell und handlich


Hell muß es nämlich sein, der
Taktstock, damit er vor dem
dunklen Hintergrund eines
Saales vom Orchester auch
gut wahrgenommen werden
kann. Deshalb verwendet Sei-
del seit einiger Zeit für etwa
die Halfte seiner Produktion
sogar weiße Leuchtfarbe zum
Nachstreichen. Das macht
noch mehr Effekt als ein (weit-
aus schwererer und teurerer)
Glasfiberstab, wie es ihn im
Handel gibt. Freilich: das Helle
schützt keinen Taktstock vor
einer - unbeabsichtigten -
Zerstörung. Der Verbrauch
eines energiegeladenen Diri-
genten ("die vergessen
manchmal sich und die Um-
welt!") an Taktstöcken ist
namlich erstaunlich groß: ein
paar Dutzend im Jahr braucht
so gut wie jeder, das Stück zu 12,50 DM.

Nicht viel eigentlich für einen
Markenartikel, wenn man
alles in Rechnungstellt: den
Herstellungsprozeß, das
Know-how und die individuelle
ausgerichtete Handarbeit. Da
ist zuerst das Holz von Berg-
ahorn (Acer pseudoplatanus)
mit einem schönen geraden
Faserverlauf, das meterweise von der 30-mm-Bohle mit der
Bandsage vorgeschnitten und
dann auf der Kreissäge in etwa
5x5 mm starke Vierkantstabe
aufgearbeitet wird; Verschnitt
mehr als 40%. Seidel unter-
zieht sie dann einer von ihm
Fertig ist das gute Stück - bis
auf die Generalprobe: Seidel
schlagt den fertigen Taktstock
mit einer kraftigen Bewegung
nach unten, um so die Span-
nung zu überprüfen. Wenn
sich ein Nachfedern zeigt,
stimmt etwas nicht. Der Ex-
perte muß es wissen:"Ein
Hauch weniger oder mehr,
und der Taktstock ist wieder
ganz anders."


Ist er eigentlich anders, ob
man nun Wagner dirigiert oder
Mozart? Seidel hat für diese
Frage nur ein Lächeln: "Man
hört das ab und zu, Alles
Quatsch, Die Taktstöcke eines
Dirigenten haben alle ihre be-
stimmte Note. Er selber hat
sie ja auch. Das macht ihn
doch zu dem, was er ist. Und
ich kann da ein kleines biß-
chen mithelfen, vielleicht."


                      Robert Matzek